Reptilien
Terrarienbau
![]() |
Die faszinierende Vielfalt, die oft wirklich ausserge- wöhnlichen Lebensräume und die Eigenständigkeit der Reptilien haben mich schon lange gefesselt. Sowohl die Therapie kranker Reptilien als auch die Beratung bezüglich Kauf, Terrarienbau, Haltung und Fütterung sind wichtige Bestandteile unserer täglichen Praxis. |
Und natürlich haben wir auch ein Reptil als Haustier, das wir sozusagen "geerbt" haben.
![]() |
![]() |
Lychee, eine männliche Bartagame, geboren ca. Februar 2005, kam im Herbst 2005 von einer Familie zu uns, die durch einen Wohnungswechsel gezwungen war, ihn abzugeben. Seither bewohnt er sein Terrarium in unserem Wartezimmer und begrüßt oftmals interessiert hereinkommende Patienten.
![]() |
![]() |
Die Beleuchtung eines Bartagamenterrariums ist ein sehr wichtiges Thema.
Sowohl Lichtfarbe und -intensität als auch die Wärme müssen dabei kontrolliert werden. Durch ein Lichtprogramm kann die Agame zu regelmäßiger Bewegung angeregt werden.
Eine UV-Lichtquelle ist unabdingbar. Es gibt UV-Röhren oder auch Strahler, wie z.B. den Osram Ultra-vitalux 300 (der aber in einem Mindestabstand von 1m zum Tier angebracht sein muß und täglich nur 30 Minuten eingeschaltet werden darf!!!)
Prinzipiell soll ein Bartagamenterrarium soll hell wie möglich sein (in dunkleren Terrarien werden Bartis zunehmend inaktiv und können auch schon mal das Futter verweigern!)
Besonders geeignet sind hierfür sogenannte HQI-Strahler, deren Lichtspektrum dem der Sonne noch am nächsten (mit Ausnahme der HCI-Strahler, die aber sehr viel teurer sind) kommt, UV-Licht senden sie jedoch keines aus.
Ferner sollte man je nach Terrariengröße noch weitere Spotstrahler installieren, um extra Wärmeflächen zur Verfügung zu haben.
![]() |
In unserem Terrarium sorgt ein HQI-Strahler mit 150 Watt für Grundbeleuchtung und Grundtemperatur, außerdem sind noch 5 x 150 Watt Strahler angebracht, die aber nie gleichzeitig (wie man auf dem Bild erkennen kann) leuchten .
So wird ein Tagesverlauf imitiert und gleichzeitig der wärmste Fleck immer wieder verschoben, und unser Lychee damit angeregt sich von seinem Liegeplatz weg zu bewegen.
Als UV-Lichtquelle dient eine Reptiglo 8, die alle
8-9 Monate getauscht wird. ( UV-Spektrum nimmt mit der Zeit ab, obwohl die Röhre natürlich noch leuchtet) 
... ein kleiner Exkurs zum Thema Terrarienbau am Beispiel unseres Bartagamenterrariums.
In unserem Fall wurde von einer Tischlerei ein Grundgerüst (kann auch ein umgebauter Kasten sein) gebaut, in das dann das Terrarium eingebaut wurde. Dieses Terrarium hat die Innenmaße von 170 x 70 x 70 cm. Rückseite und rechte Seite bestehen vollständig aus Holz, in die linke Seite wurde ein Plexiglasfenster eingesetzt. Als Boden dient ebenfalls Holz, der "Himmel" besteht aus einem Gitter (sollte aus Metall sein, Kunststoff schmilzt! Sehr enge Maschenweite, um eine Flucht von Lebendfutter unmöglich zu machen, siehe Bild weiter unten), damit unsere Bartagame nicht zu den Lichtquellen kann und sich dann verbrennt.

Um das Holz zu konservieren wurde das ganze Terrarium mit einem Klarlack lackiert. (bitte unbedingt lange genug auslüften lassen). Die Wände wurden dann mit Styropor unter Verwendung von einem Styroporkleber verkleidet.

Gleichzeitig kann man mit Styropor eine Grundform "modellieren". Auch an der Rückwand kann man Vorsprünge zum Raufklettern anbringen, die aber zur Unterstützung als Unterlage eine Holzplatte haben sollten, die mit der Rückwand verschraubt wird. Höhlen brauchen oftmals eine Unterstützung ( im nächsten Bild sichtbar), eine eingeklebte aufgestellte Holzleiste kann dabei sehr gut behilflich sein.

Man sollte immer auch das Endprodukt ein bischen im Hinterkopf haben. Auf dem nächsten Bild sieht man einen "Probelauf" mit aufgelegten Steinen, um das Gefälle der zukünftigen Steine zu kontrollieren. Die Steine sind hier nur aufgelegt, später werden sie mit Fliesenkleber festgeklebt.

Auch die Holzteile wurden probehalber hingelegt. Nächster Punkt ist dann das Auftragen des Fliesenklebers. Diesen kann man mit Lebensmittelfarben einfärben, aber aufpassen: im feuchten Zustand ist die Farbe nie wirklich erkennbar, also vorher auf einer Holzplatte ausprobieren. Die Konsistenz des nassen Fliesenkleber sollte sehr patzig sein, weil er sonst von der Wand rinnt. Legt man den Kasten / das Terrarium um, sodaß die Rückwand waagrecht liegt, kann man die Masse schön in Form bringen. Strukturen, Steine etc. können auf die noch feuchte Masse aufgedrückt werden.


Hier sieht man das Gitter, das das Terrarium vom Lichtkasten trennt.

Kurz noch zum thema Lichtkasten: Er sollte gut zugänglich sein und es muß Platz für die Entlüftung sein (das Entlüftungsgitter sieht man im obigen Bild). Bewährt hat sich, die Möglichkeit den Lichtkastendeckel als Ganzes anheben zu können und aber auch nur die Front öffnen zu können.

Im Lichtkasten ist dann auch die Steckerleiste mit den Schaltuhren angebracht (braucht man unbedingt, um ein Lichtprogramm fahren zu können!)

Wenden wir uns nun der Terrarienfront zu: Man kann Glas oder wie in unserem Fall Plexiglas verwenden, Vorteil von Plexiglas ist das geringere Gewicht, Nachteil ist, daß es zerkratzbar ist. Die 2 Scheiben stehen in einer Metallschiene hintereinander und können so verschoben werden.

(man sieht hier auch noch das Kabel des Maximum-Minimum-Thermometers, der nur geringe Spannung trägt und somit keine Gefahr darstellt)

Unter der Glasschiene bracht man noch ein Belüftungsgitter am besten über die ganze Front, aussen ist es sehr grobmaschig (aus dem Baumarkt) und innen, um eine Lebendfutterflucht zu vermeiden, ist das gleiche Gitter angebracht aus dem oben der "Himmel" besteht. Fehlt noch der Sand: meiner Meinung nach eignet sich Kinderspielsand (unparfümiert bitte) gemischt mit Lehmpulver am besten. Bei der Menge sollte man nicht sparen, Bartagamen graben oft sehr gern, 10cm sollte der Sand mindesten hoch sein.
Materialliste:
